Verkehrsverein Unterbränd – für unsere Gäste, Gastgeber & Einwohner
Verkehrsverein Unterbränd – für unsere Gäste, Gastgeber & Einwohner
Unterbränd hat mit Oberbränd den Namensteil “bränd”, der Waldstellen bezeichnet, welche durch Feuer gerodet wurden. In Unterbränd bezeichnet man noch heute ein Terrain auf der Höhe zwischen Unterbränd und Weiler als “Kohlplatz”, vermutlich weil hier Holzkohlenmeiler standen. Als Flurname erscheint das Wort “Bränd” erstmals 1491 für das Gebiet am “Brändbach” auf dem Höhenzug zwischen dem Heidenloch (Meereshöhe 906 m) und dem Höchst (1033 m).


1555 siedelten im Unterbränder Raum Bürger der Stadt Bräunlingen, um als Köhler und Harzer zu arbeiten. Die “Brandsiedler” errichteten alsbald eine Brandrodungs- und Köhlersiedlung. Die hart arbeitenden Siedler hatten es schwer wegen des kargen Verdienstes, besonders aber durch die damalige Fehde der Fürstenberger Grafen mit der zu Vorderösterreich gehörenden Stadt Bräunlingen. Dabei ging es um den rechtmäßigen Waldbesitz Bräunlingens. Während der Fehde wurde einem Unterbränder Neusiedler sein neuerbautes Haus niedergerissen und dem Besitzer des Oberbränder Hofes vier Pferde aus dem Stall weggenommen. Nur durch das mutige Eintreten des Bräunlinger Oberschultheißen J. C. Gumpp bei Kaiser Leopold I. in Wien im Jahre 1685, ist den Brändsiedlern und der Stadt Bräunlingen Recht widerfahren.
Daran erinnert noch heute der Leopoldstein. Fünf Jahre danach (1690) mussten die Bränder dennoch mit ihrer ganzen beweglichen Habe wieder Haus und Hof verlassen und in den Stadtmauern Bräunlingens Schutz suchen. Später kehrten die Bränder in ihren aus Einzelhäusern lose gruppierten Ort zurück und machten aus den brandgerodeten Böden Acker- und Weideland. Die schwierige und nicht besonders ertragreiche Höhenlage machte es nötig, dass sich die Männer, aber auch die Frauen, für Taglohn in der Forstwirtschaft verdingen mussten.
Durch eine Kapelle erhielt der Ort erstmals einen Mittelpunkt: 1770 hatte sie Johann Baptist Dietrich, Eremit an der Hüfinger Lorettokapelle und Vikar zu Bräunlingen, zu Ehren der Hl. Mutter Anna errichtet und den Brändemern gestiftet. Am 31. Juli 1905 wurde sie abgebrochen. In der im gleichen Jahr eingeweihten neuen St. Anna-Kapelle befindet sich ein Gemälde zur Erinnerung, gezeichnet mit: Julius Nobs, Bräunlingen, 30.06.1907.
1846 scheiden die Dependanceorte Unterbränd und Oberbränd und Hubertshofen aus der Gemeinschaft mit Bräunlingen aus und werden selbständige Gemeinden. Damals hat der Ort 107 Einwohner. Aus dem Stabhalter Gabriel Hepting wird der erste Unterbränder Bürgermeister. Pro Einwohner bekommt der Ort einen Hektar Waldfläche. Kirchlich gehörte Unterbränd noch bis vor wenigen Jahren zu Hubertshofen. Unterbränd baut kurz darauf sein Rathaus mit ein-klassiger Schule, das im Jahr 1900 und im Jahr 1920 erweitert wird. Noch vor der Jahrhundertwende werden Quellen gefasst und zum neuen Hochbehälter auf dem Bucksberg geleitet. Eine Wasserleitung wird von dort ins Dorf von Haus zu Haus verlegt. Drei Unterflurhydranten zur Wasserentnahme durch die 1899 gegründete freiwillige Feuerwehr werden gesetzt, was deren Schlagkraft erheblich verbessert; bis dahin musste Löschwasser aus Brunnen entnommen werden. Nach einem Grundstücksverkauf im Gewann Kirnberg an die Stadt Bräunlingen, errichtet diese im engen Brändbachtal in Höhe der zwischen 1411 und 1425 zerstörten ”Kürnburg”, einem Stützpunkt der Zähringenherrschaft, eine Staumauer. 1923 wird eine Wasserkraftanlage mit einem Kraftwerkhaus in Waldhausen zur Stromerzeugung in Betrieb genommen. Zum Ausgleich für den Geländeverkauf bekam Unterbränd einen Stromanschluss und damit erstmals Elektrizität ins Dorf.

Bis Ende der 19. Jahrhundes bestand der Ort aus 20 einzelnen Anwesen, die locker über die gesamte Gemarkung verteilt waren. Die erste geplante Ortsstraße wurde 1884 errichtet. Im Osten ist es die heutige Kapellenstraße, die dann im Westen in den Heidenlochweg übergeht. Die gesamte Ortsstruktur von 1884 ist heute noch erhalten, es kamen lediglich in den siebziger Jahren die Allmendstraße und „Am Bucksberg“ dazu. Noch bis nach dem zweiten Weltkrieg war Unterbränd weitestgehend autark. 19 der Anwesen hatten Landwirtschaft. Am Ortsausgang Richtung Dittishausen befand sich links eine Schmiede (Anwesen Otto Bombeiter) und rechts eine Mühle (Anwesen Johann Bombeiter). Nach dem Rat- und Schulhaus wurden Anfang des 20.Jahrhunderts ein Spritzenhaus mit Gefängniszelle errichtet (wurde 2021 abgebrochen) und für die Viehzucht den „Hagenstall“, in dem der Zuchtbulle stationiert war. Viele Unterbränder waren bei der Gemeinde als Tagelöhner oder Waldarbeiter beschäftigt. Der Ort hatte alles, was man brauchte. Einen eigenen Polizisten (bekannt war der Polizeidiener Mantel)sogar eine eigene Krankenversicherung, eine Ortsviehversicherung. 1907 brannten zwei Höfe auf dem Bucksberg durch Blitzschlag ab, seitdem wird dort nicht mehr gebaut. Die zwei Familien (Beha und Mantel) bauten im Ort neue Gebäude. In den zwanziger Jahren kamen 4 Höfe dazu, bis nach dem zweiten Weltkrieg blieb es bei den jetzt 24 Höfen. Gebaut wurde dann erst wieder in den fünfziger Jahren entlang der bestehenden Straßen. Heute würde man das „Verdichtung“ nennen. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es zunächst keine Autos im Ort. Einzige Verbindung zur Außenwelt war Otto Bombeiter mit seinem Pferdefuhrwerk. Er transportierte die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die der Ort nicht brauchte mit dem Pferdefuhrwerk nach Bräunlingen. Das war vorwiegend Milch, die dann vom Bahnhof aus mit der Eisenbahn weiter transportiert wurde. Im Gegenzug kaufte er für die Unterbränder Bevölkerung alles ein, was im Ort nicht selbst erzeugt werden konnte. Später wurde das Pferdefuhrwerk durch einen Traktor ersetzt. Erst nach und nach in den sechziger Jahren wurden die Unterbränder selbst mobil. Es kam immer wieder zu Bränden, vor allem Ende der vierziger Jahre und in den fünfziger Jahren brannten verschiedene Höfe ab. Die Besitzer erhielten Entschädigungen von der Feuerversicherung und bauten neu. Andere Gebäude (z.B. das Anwesen Schropp oder das Anwesen Johann Beha, später Helmut Hepting) wurden mit Genehmigung des Denkmalschutzes abgebrochen. So hat Unterbränd nur noch wenige wirklich alte Gebäude. Eines der ältesten dürfte der „Wiesenhüttenhof“ sein, der heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist.
Der aufgestaute ”Kirnbergsee” wurde bald zum Magneten des aufkommenden Fremdenverkehrs. Es bildete sich eine Interessengemeinschaft der Zimmervermieter. Am 23. März 1957 wurde der Verkehrsverein Unterbränd Hochschwarzwald gegründet. Später erhält Unterbränd den Titel ”staatlich anerkannter Erholungsort” und der Fremdenverkehr wird zu einem bedeutenden Erwerbszweig. Am 01. April 1972 erfolgte nach vorheriger Bürgerabstimmung die Wiedereingliederung in den Bräunlinger Stadtverband.
Vier Mal unternahm der Ort Anläufe, Feriendörfer zu errichten. Der erste Versuch 1964 auf dem Bucksberg wurde von den Einheimischen erfolgreich abgewehrt. Zwei weitere Projekte 1968 zwischen Seestraße und Kapellenstraße und 1971 am Bucksberg wurden realisiert. Die Häuser gelangten aber schnell in private Hände. Ein weiteres Projekt war in den Neunziger Jahren zwischen Kapellenstraße und Tannenallee angedacht, wurde aber nicht realisiert. Im Jahr 2002 wurden im Rahmen der Campingplatzerweiterung durch die Familie Huth auf diesem Terrain 14 Blockhütten erreichtet.
Karl Ott, 2000
Lutz Rademacher 2023
